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Wenn Paare schweigen
Wege aus der Krise
Zuerst regnet es rote Rosen. Doch bei den ersten Konflikten steht vielen Paaren ein Rosenkrieg ins Haus.
„Bevor es zu anstrengend wird, suche ich mir doch lieber etwas Neues." Viele Paare trennen sich, ohne den Versuch, miteinander zu reden und die Krise zu bewältigen. Die Schweigsamkeit ist offensichtlich ein neues Zeitphänomen. Das jedenfalls zeigen die Ergebnisse verschiedener Studien und Umfragen: Paare sprechen heute im Schnitt nicht einmal zehn Minuten täglich miteinander. Jeder ist mit seinen beruflichen Ambitionen, Kindererziehung, Hobbys und Interessen so stark beschäftigt, dass kaum Zeit zum Reden bleibt.
Gemeinsamkeit wird der vermeintlichen Selbstverwirklichung geopfert. Und die gemeinsamen Stunden werden vor dem Fernseher verbracht. Ergebnis: Seit 1970 stieg die Scheidungsrate in Deutschland um 33 Prozent.
„Im Gegensatz zu den 70er und 80er Jahren ist es heute nicht mehr angesagt, stundenlang über die eigene Beziehung zu reden. Man flirtet lieber, kommuniziert gern über neue Medien wie das Handy. In einer SMS kann man zwar sagen, dass man jemanden liebt, aber intensive Beziehungsgespräche sind so kaum möglich", so Trendforscher Peter Wippermann. Allerdings haben viele Paare die Sprachlosigkeit als Grund ihrer Beziehungskrise noch nicht erkannt. Zu den häufigst genannten Scheidungsgründen gehören Fremdgehen, Alkohol und damit einhergehende Gewalttätigkeit, Veränderungen nach der Geburt des ersten Kindes, Streit ums Geld oder das Gefühl, sich auseinander gelebt zu haben.
Viele könnten es schaffen
Experten schätzen, dass bis zu 50 Prozent der Paare ihre Beziehung retten könnten, wenn sie ins Gespräch kommen würden. Dabei müssen die Beteiligten aber beachten, „dass Liebe sich nicht auf Kollektivismus zu zweit, sondern auf das wechselvolle Bündnis zweier scharf unterschiedlich konturierter Individuen stützt. Die Freiheit, nicht die Unterwerfung ist der Boden der Liebe", betont der Psychologe Mathias Jung. Sprich: Wer in einer Partnerschaft sein eigenes Fühlen und Denken zum Maß aller Dinge macht, hat wenig Chancen, sein Gegenüber zu verstehen. Deswegen raten Psychologen auch zum offenen Wort untereinander, ohne bei abweichenden Vorstellungen aufzubrausen oder abzuschalten. Wichtig ist die Fähigkeit, zuhören zu können. Umgekehrt ist es aber auch wichtig, offen Themen anzusprechen, die einem auf der Seele liegen.
Kommunikation lernen
Während Frauen das Gespräch führen, um eine Lösung zu suchen, machen Männer oft erst den Mund auf, wenn sie glauben, die Lösung gefunden zu haben. Die unterschiedliche Herangehensweise der Geschlechter führt zu Konflikten. Besonders für Männer gilt: Springen Sie öfter mal über Ihren Schatten und erzählen Sie Ihrer Partnerin frühzeitig, was in Ihnen vorgeht.
Eine Studie der Pennsylvania State University ergab, dass Männer und Frauen bei Beginn einer Beziehung von vollkommen unterschiedlichen Kommunikationserfahrungen ausgehen. Die Wissenschaftlerin Eva L. Lefkowitz: „Dieses Missverhältnis könnte einige der Probleme erklären, die die Forschung in der Kommunikation zwischen Eheleuten feststellt." Doch auch die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft führt zu Beziehungsproblemen. Laut einer Allensbach-Untersuchung haben seit den 70er Jahren persönliches Glück, Lebensgenuss, aber auch Anerkennung durch andere alte Sinngeber wie Gemeinschaft oder Religion abgelöst. Die Vertreterinnen der „Generation Ally" sind wie die Serienheldin Ally McBeal immer auf der Suche nach dem individuellen Glück. Bis dahin halten sie sich bevorzugt alle Optionen offen. So liegt das durchschnittliche Heiratsalter bei Frauen heute bei 31 Jahren, 1970 lag es bei nur 22 Jahren, so das Statistische Bundesamt.
Um eine Beziehung aus der Krise zu befreien, muss das Schweigen gebrochen werden. Doch wie die richtigen Worte finden? Wie mit dem Partner ins Gespräch kommen? Vielfach kann professionelle Hilfe von außen die Beziehung wieder mit Leben erfüllen, zum Beispiel eine Paartherapie.
Das Taschenbuch „Das sprachlose Paar" von Mathias Jung enthält zahlreiche Anregungen, wieder ins Gespräch zu kommen.
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