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Mit und ohne Drogen

Sucht hat viele Gesichter

Beim Begriff „Sucht" denken Sie wahrscheinlich an Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit. Zahlreiche Experten fassen den Suchtbegriff jedoch wesentlich weiter - und das aus guten Gründen.

 

Mit zunehmendem Anstieg exzessiver Verhaltensweisen, die Kriterien einer Abhängigkeit zeigen, rückte in den Medien und Fachkreisen ein neuer Begriff in den Mittelpunkt des Interesses: stoffungebundene Suchtformen. Hier geht es um Spielsucht, Kaufsucht, Arbeitssucht, Essstörungen wie Esssucht, Bulimie und Magersucht sowie Internetsucht. Darüber hinaus ist auch von Beziehungssucht, Sportsucht, Sexsucht usw. die Rede.

Betroffene Menschen zeigen ähnliche Verhaltensweisen wie Alkoholkranke oder Drogenabhängige. Glücksspiel oder Internet als Droge kann für sie die gleiche Bedeutung haben wie die Flasche für den Alkoholiker: Zunehmend kreist das Verhalten und Erleben der Betroffenen um ihr jeweiliges „Suchtmittel", es kommt zum Kontrollverlust und die Dosis wird gesteigert. Entzugserscheinungen treten auf, wenn das fragliche Verhalten nicht gelebt werden kann. Dennoch ist in der wissenschaftlichen Diskussion die Frage nach der Existenz der Sucht ohne Drogen umstritten. Die Meinungen reichen von der Verneinung bis hin zur Auffassung, dass nahezu jede Tätigkeit bzw. jedes Bedürfnis zu Suchtverhalten führen kann. Für die Einschätzung, ob ein Mensch süchtig ist oder nicht, sind Art und Intensität der Bedürfnisbefriedigung entscheidend.

 

Was ist Sucht?

 

Sucht wird als zwanghaftes Verlangen nach bestimmten Substanzen/Verhaltensweisen verstanden, die Missempfindungen vorübergehend lindern und gewünschte Empfindungen auslösen, obwohl negative Konsequenzen damit verbunden sind. Der Süchtige unterliegt automatischen Abläufen, die sich zunehmend seiner Kontrolle entziehen.

Es ist zunächst harmlos, ein paar Wochenenden durchzuarbeiten, sich mit übertriebenen Joggingrunden auf einen Marathonlauf vorzubereiten oder ein neues Computerspiel einige Male bis spät in die Nacht auszuprobieren. Kritisch wird es, wenn solche Verhaltensmuster zur Gewohnheit werden.

Sucht entsteht durch einen schleichenden Prozess, entwickelt sich manchmal über viele Jahre. Nicht jeder, der hin und wieder zu viel trinkt, ist alkoholabhängig. Wird regelmäßig getrunken, kann sich der Alkoholkonsum zum Problem entwickeln. Wenn ohne Alkohol keine Enspannung möglich ist oder man täglichen Problemen und Anforderungen „ohne" nicht mehr Herr werden kann, sollten die Alarmglocken schrillen. Genauso verhält es sich mit nichtstofflichen „Suchtmitteln" wie Einkaufen, Internetsurfen oder exzessiver Arbeit.

Jeder, der regelmäßig ein Suchtmittel einsetzt, um sich zu entspannen, anzuregen, zu trösten etc., ist gefährdet, und je häufiger dieses Verhalten scheinbar für Wohlbefinden sorgt, desto weniger können schwierige Situationen auf normalem Wege gemeistert werden. Die Fähigkeit, Konflikten aktiv zu begegnen, nimmt immer mehr ab. Das Selbstwertgefühl wird schwächer, Schuld- und Schamgefühle kommen hinzu.

 

Vom Missbrauch in die Abhängigkeit

 

Häufiger Missbrauch lässt sich fast immer auf ungelöste Probleme zurückführen, denen man ausweichen möchte. Wenn zum Beispiel das Einkaufen nicht mehr nur der Notwendigkeit oder dem Genuss dient, sondern damit der Lösung von Konflikten ausgewichen wird und der Mensch sich selbst schädigt, weil er über seine Verhältnisse lebt, sprechen die Experten von Missbrauch. Das Einkaufen entwickelt schließlich eine Eigendynamik. Ohne den täglichen Einkaufsbummel fühlt sich der Betroffene leer und unzufrieden. Enthaltsamkeit ruft Angst, Schlaflosigkeit und depressive Verstimmungen hervor. Die Problematik wird gegenüber Partnern und Freunden verheimlicht und führt schließlich in die Isolation. Alles dreht sich nur noch darum, wie das Geld zur Befriedigung der Kaufsucht beschafft werden kann.

 

Nach Ansicht des Psychologen Werner Gross geben folgende

Kriterien Hinweise darauf, ob ein Suchtverhalten  vorliegt:

 

  • Kontrollverlust: Für den süchtigen Spieler, der die erste Münze in den Automaten geworfen hat, ist erst Schluss, wenn  er keinen Cent mehr in der Tasche hat.
  • Abstinenzunfähigkeit: Der Betroffene ist nicht in der Lage, abstinent - also ohne das Suchtmittel - zu leben.
  • Wiederholungszwang: Weil der Suchtkranke nicht ohne sein Suchtmittel leben kann, gebraucht er es immer wieder.
  • Entzugserscheinungen: Es treten körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern  oder psychische Entzugserscheinungen wie z. B. Wutausbrüche, Ängste, Trauer, innere Unruhe auf, wenn das Suchtmittel nicht zur Verfügung steht.
  • Dosissteigerung: Um den gleichen Erlebniszustand zu erreichen, muss die Häufigkeit des Gebrauchs des Suchtmittels bzw. des süchtigen Verhaltens  gesteigert werden.
  • Zentrierung: Die Sucht wird zum Mittelpunkt des Lebens. Andere Interessen oder Kontakte, die nicht der Suchtbefriedigung dienen, verlieren an Bedeutung.
  • Gesellschaftlicher Abstieg: Suchtkranke Menschen werden zu Außenseitern. Soziale Kontakte verkümmern, finanzielle Sorgen nehmen zu, der Süchtige manövriert sich immer stärker ins Abseits.
  • Psychischer und körperlicher Verfall: Der Esssüchtige wird immer dicker, der Internetsüchtige gönnt sich kaum noch Schlaf, der Arbeitssüchtige bekommt Herzprobleme.

Internet:

 

http://www.anonyme-alkoholiker.de/

http://www.anonyme-spieler.org/

http://www.onlinesucht.de/

 

Auch unser Internetservice GesundheitOnline steht Ihnen zur Verfügung. Diesen finden Sie hier.

 

 


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